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Ohne euch - das Vermissen, welches eigentlich nicht in Worte zu fassen ist

Das erste was ich morgens vermisse, ist das Klappern deiner Türe, wenn du gerade aufstehst.

Ich vermisse dein „musst du nicht auch schon längst aufstehen?“ während du bereits die Treppe hinuntergaloppierst, weil du so manches mal zu spät dran bist, natürlich weil es den vorherigen Abend wieder einmal so spät geworden ist.

Ich vermisse das Frühstücken mit dir, auch wenn es meist nur eine Toastbrot-Länge war, und die dabei getroffenen Absprachen für den kommenden Abend.

Ich vermisse es, manchmal für dich zu kochen, damit du dein Essen auch pünktlich um 12.40Uhr auf dem Tisch stehen hast, denn deine Mittagspause ist kurz und du hast trotzdem immer so viel zu erzählen, was mal wieder in der Werkstatt passiert ist. Und wie sehr vermisse ich, wenn wir alle gemeinsam essen und wir beide als Team versuchen Papa durch kleine Späße (andere würden vielleicht behaupten Sticheleien), entweder von seiner Palme herunterzuholen oder ihn gar erst hinaufzuschicken.

Dein ansteckendes Lachen dabei, das vermisse ich so sehr.

Ich vermisse es, kleine SMS’ von dir zu bekommen. Egal, um was du mich bittest, ich tue es, habe es besonders nach deinem Unfall im letzten Jahr immer getan.

Deshalb vermisse ich auch deine Anrufe in der Nacht mit der Frage, ob ich dich irgendwo abholen könnte. Ich habe es ja immer gern gemacht, aus Freude, so eine Schwester wie dich (noch) zu haben.

Ich vermisse den Klang deines Autos, sobald du es vor der Tür parkst und wie du dann unüberhörbar mit deinen schweren Schuhen in den Flur kommst und dann nach mir rufst: „Bin da – wer nooooch?!“

Ich vermisse deine ach so schlauen Sprüche, die nicht wirklich Grenzen finden oder kennen. Du sagst einfach was du denkst, und diese Art vermisse ich.

Ich vermisse es, mit dir mindestens einmal die Woche abends zum Fußball-Training zu fahren und dann auf dem Platz Spaß zu haben. Am Wochenende beim richtigen Spiel geben wir dann gemeinsam als „Sandwich“ in der Abwehr (einer links einer rechts, dazwischen meist ein Gegenspieler) richtig Gas. Diese intensiven, gemeinsamen Stunden, in denen wir oft so viel Spaß hatten, eben weil wir Geschwister sind (und man dann in einer Gruppe immer irgendwie auffällt), diese vermisse ich besonders.

Ich vermisse die Abende, an denen wir mit Chips bewaffnet einfach zu Heino rüber gehen und uns eine DVD reinziehen, manchmal auch zwei. Wie wir dort sitzen, in gespannter Erwartung, was dieser Horrorfilm wohl zu werden verspricht. Und wenn er nach deinem und Heinos manchmal doch schlechtem Geschmack einfach nicht mehr ansehbar ist, packen wir die Dartscheibe aus und werfen ein paar Runden. Ich möchte auch so gern einmal gegen Heino gewinnen.

Ich vermisse die Wochenenden, an denen wir ins „Tange“ ziehen und uns dort so richtig amüsieren und alte Bekannte wiedertreffen. Ich vermisse es, wie wir dort Hand in Hand durch die Gänge schleichen und uns die Leute ansehen, und vielleicht später auf der Tanzfläche unseren allwöchentlichen Frust abreagieren.

Ich vermisse es, mit dir den Sonntag „danach“ das Kater-„Frühstück“ standesgemäß in Form einer selbst noch extra-belegten Aldi-Pizza um frühestens 3 Uhr nachmittags zu begehen.

Ich vermisse die einfachen Albernheiten, die wir zwei immer aushecken. Wir sind schließlich ein Team – das Team überhaupt. Früher hatten wir nicht viele Gemeinsamkeiten, so dachten wir, und jetzt ist es ganz anders – wir sind uns so ähnlich geworden. Wir sprechen und gestikulieren in gleicher Weise und wenn ich in den Spiegel schaue, sehe ich dich reden. Eigentlich sind wir wie Zwillinge, nur dass uns kleine Äußerlichkeiten und viereinhalb Jahre trennen.

Ich vermisse…

…und auch…

Ich kann die Liste unendlich weit fortsetzen. Und all das Vermissen, weil du nicht mehr hier bist. Eigentlich hätte ich alles in der Vergangenheitsform schreiben müssen, aber das ist bei mir im Kopf oben in der hintersten Hirnwindung noch nicht angekommen.

Meine liebe Maria, wie soll ich „das“ alles nur ohne dich schaffen?! Ich finde gerade keinen Sinn, nur viele Tränen. Und der Kloß im Hals ist auf einmal wieder da – es bleibt alles stecken – ich bleibe stecken und komme nicht weiter.

Was soll ich nur tun ohne dich?? Ich schaffe nichts ohne dich, kann nichts ohne dich, will nichts ohne dich. Nur alles hinschmeißen, wenn andere sagen, ich müsse nach vorn schauen.

Ich kann euch nicht finden…

6.11.06 14:40
 


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